Sie unterstützen vor allem Hilfsangebote und -institutionen für Frauen durch großzügige Spenden. Warum?

Den meisten Menschen ist das nicht bekannt, aber einer der größten Hebel für eine bessere Welt ist die Gleichberechtigung von Frauen. Je mehr z.B. in einem Land die Gleichberechtigung gesetzlich verankert ist und eingefordert werden kann, umso wohlhabender ist das Land und umso weiter ist die jeweilige Gesellschaft entwickelt. Ein ganz eindeutiger Zusammenhang besteht z.B. zwischen dem Grad, in dem Frauen die eigene Familienplanung bestimmen können und der Entwicklung des Landes. In allen hochentwickelten Ländern liegt die Anzahl von Kindern pro Frau unter 2. In den unterentwickelten Ländern sind es mehr als 5 und zum Teil mehr als 6 Kinder pro Frau. In Afrika gibt es auch heute  noch über 200 Millionen Frauen, die nicht weiter schwanger werden wollen und die dennoch keinen Zugriff auf Verhütungsmittel erhalten. 

Welche Organisationen unterstützen Sie im Einzelnen?

Jedes Jahr unterstützen wir unterschiedliche Organisationen (z.B. den United Nations Population Fund, Plan, Horizont etc.) Neben Organisationen in Entwicklungsländern unterstützen wir auch gezielt Hilfsorganisationen für Frauen in Deutschland. Denn auch in unserem reichen und weit entwickelten Land ist es noch ein weiter Weg, bis eine vollkommene Gleichberechtigung hergestellt ist.

Bedeutet für Sie der Begriff „Women Empowerment“ ein grundsätzliches Ziel und Anliegen, das Sie verfolgen und unterstützen? Warum ist das so?

Auf jeden Fall! Solange es in Deutschland noch strukturelle Diskriminierung gegenüber Frauen gibt, ist es notwendig, Frauen besonders zu unterstützen. Beispielsweise gibt es in Deutschland zwar seit 1957 das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts, aber selbst zu meiner Schulzeit 1972 musste meine Mutter noch das Einverständnis meines Vaters einholen, wenn sie eine Arbeit annehmen wollte. Und erst im Jahr 1994 wurde das Grundgesetz dahingehend geändert, dass der Staat die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern seitdem „fördert“ und auf die Beseitigung bestehender Nachteile „hinwirkt“. Auch wenn seitdem große Fortschritte erzielt wurden, sind wir von einer echten Gleichberechtigung weit entfernt. So existiert heute in 2021 noch immer ein Paygap von 18%. Und von einer Parität im deutschem Management sind wir mit aktuell weniger als 15% Frauen in deutschen Vorständen noch weit entfernt.

Warum gehören für Sie soziales Engagement und die „Stadt von morgen“ zusammen?

Mit der „Stadt von morgen“ möchten wir allen Menschen eine lebenswerte Umgebung schaffen, in der sich jede Person nach ihren Möglichkeiten frei entwickeln kann. Das wird nur dann gelingen, wenn wir jedwede Form von Diskriminierung beseitigen. Wenn rund 50% der Bewohner der „Stadt von morgen“ Mädchen und Frauen sind, wäre es doch sehr unfair, die weiblichen Ansichten und Belange nicht angemessen zu berücksichtigen.

Dr. Ralph Neukirchen
Mitgründer und Gesellschafter von CAIROS